Myome

Myome sind gutartige Tumore(„Geschwülste“) der Gebärmutter und kommen relativ häufig vor. Man nimmt an das ungefähr 25% aller Frauen im reproduktionsfähigen Alter (das ist die zeit im leben einer Frau, in dem sie auf natürliche art und weise Kinder bekommen kann) Anzeichen von Myomen bei der frauenärztlichen Untersuchung aufweisen, obwohl nicht alle Symptome entwickeln(Symptome = Anzeichen einer Erkrankung)

Was sind die Ursachen für die Bildung von Myomen?

Nun, der wirkliche  Grund dafür warum es bei der einen Frau zur Bildung von Myomen kommt und bei der anderen nicht ist nicht bekannt. Das Wachstum von Myomen ist hormonabhängig und deshalb verschwinden auch viele Symptome wieder nach der Menopause(dh. dem Zeitpunkt der letzten Regelblutung-meist um das 50 Lebensjahr herum, so genau ist das nicht)

Gibt es Frauengruppen die ein erhöhtes Risiko tragen?

Die gibt es, nur ist das mit dem erhöhtem Risiko so eine Sache – so scheinen Raucherinnen weniger zu Myomen zu neigen als Nichtraucherinnen aber ist das ein Grund für sie ab nun mit dem rauchen anzufangen um vorzubeugen? Außerdem existieren genügend Raucherinnen mit Myomen – nur eben ein klein wenig seltener. Des Weiteren sind farbige(exakter schwarze) Frauen gegenüber Weißen benachteiligt und sollten sie viel rotes Fleisch essen haben sie auch damit ein höheres Risiko.

Gute Nachricht für Mütter von zumindest einem Kind – ihr Risiko ist geringer!

Welche Symptome sind also jetzt typisch?

Vorausschicken möchte ich dass die überwiegende Mehrzahl aller Myome klein sind und überhaupt keine Anzeichen verursachen. Abhängig sind also Symptome und ihre Ausprägung von

  1. Größe
  2. Anzahl
  3. Lokalisation der Myome – das heißt also, dass zum Beispiel kleine Myome an ungünstiger stelle( hier vor allem submucös – unter der Schleimhaut gelegen) eher Probleme bereiten können als Verhältnissmässig große an einem „günstigen“ Ort

Wie äußern sich nun Myome bzw. welche beschwerden machen sie?

Vorwiegend zeigen sich beschwerden im sinne verstärkter Regelblutungen mit erhöhtem Blutverlust bis hin zur Anämie( Blutarmut bedingt durch zu wenig rote Blutkörperchen im Kreislauf) Und weil Myome manchmal erstaunliche Größe erreichen ( soweit ich mich erinnere betrug das gewicht der schwersten von mir operierten durch Myome vergrößerten Gebärmutter über 15kg und reichte bis zum Brustbein – nebstbei gutartig wie nahezu alle Myome) üben sie druck auf so genannte Nachbarorgane aus, denen sie in ihren Funktionen Schwierigkeiten bereiten können – so führt zum Beispiel druck auf die Harnblase zu häufigerem urinieren oder druck auf den Mastdarm kann Verstopfungsbeschwerden verursachen. Eher selten doch bei entsprechender Lokalisation und Größe auch möglich sind infolge Druckes eingeengte Harnleiter welche zu einer Nierenbeckenstauung führen und in diesem bereiche schmerzen verursachen können. Ebenfalls selten sind akute Schmerzzustände bedingt durch Drehung eines so genannten gestielten Myoms oder durch Absterben (Nekrose) des Myoms

Wie gelangt man eigentlich zur Diagnose einer durch ein oder mehrere Myome vergrößerten Gebärmutter?

Also – gewöhnlich sucht man entweder bei entsprechenden beschwerden(eventuell über den Umweg eines Hausarztes) oder im rahmen der jährlichen Routinekontrolle(lassen sie diese wohl auch brav und jährlich durchführen?) einen Frauenarzt auf. Dieser gelangt dann meist im Rahmen der Untersuchung auf Grund einer Vergrößerung der Gebärmutter zur Diagnose – Heutzutage kann die Diagnostik hinsichtlich Lage der Myome und exakter Größenbestimmung zusätzlich mittels Ultraschalluntersuchung(meist durch die scheide – transvaginale Sonographie genannt) verfeinert werden.

Welche Möglichkeiten der Behandlung gibt es?

Vor Beantwortung dieser frage sollten sie  sich die frage nach relevanten Beschwerden stellen – habe ich überhaupt Beschwerden, die ich behandelt haben möchte weil sie meine Gesundheit beeinträchtigen oder habe ich diese beschwerden……eben nicht.

Bei der Behandlung von Myomen gibt es mittlerweile ein derart an Auswahl reiches Sortiment, so dass  ich versuchen möchte situationsabhängig ihnen therapeutische Möglichkeiten näher zu bringen

Beispiel A) Sie haben Myome, keine Beschwerden und keinen weiteren Kinderwunsch

Ich darf ihnen gratulieren, bei ihnen ist keine Behandlung erforderlich – Sollte ihr Myom(Myome) laut Auskunft ihres Frauenarztes gewachsen sein(und das auch noch zu schnell) und ihn das beunruhigen – beruhigen sie ihn – auch schneller wachsende Myome sind nicht gefährlicher, das heißt sie neigen nicht eher zu bösartiger Entartung als langsam oder nicht wachsende Myome. Insgesamt ist die Wahrscheinlichkeit äußerst gering(1-2 Promille= 1-2 pro tausend) dass Myome bösartig im Sinne von Sarkomen(bösartige Muskeltumore) sind, so dass diese Möglichkeit per se keinen Grund darstellt Myome entfernen zu müssen(glauben sie mir, damit hätten wir nicht nur viel sondern zu viel zu tun) Sollten sie zusätzlich von ihrem Frauenarzt aufgefordert worden sein ab nun ihre ihm zu schnell wachsenden, ihre Lebensqualität jedoch nicht beeinträchtigenden Myome engmaschig im sinne von drei- bis sechsmonatigen Kontrollen unter Kuratel zu stellen – auch dies ist nicht notwendig, weil sie es ja so und so merken wenn sie Beschwerden entwickeln respektive haben.Sollten Myome jedoch nach Ausbleiben der letzten Regelblutungen (Postmenopause) Wachstumstendenz zeigen und/oder Beschwerden machen ist hierbei eher an bösartige Tumore der Gebärmutter zu denken.

Eine Ausnahme gibt es – sie sind beunruhigt und wollen 1000% Gewissheit ob der Dignität (i.e. gut – oder bösartikeit) ihrer Myome oder dieser Fußball im Unterbauch, der ihnen zwar noch keine beschwerden macht aber verhindert sich schlanker zu fühlen und es ihnen langsam unangenehm und lästig wird jeden tag dorthin zu greifen- das sind Sehrwohl schwerwiegende persönliche Gründe, die uns im Konsens zu einer Operation veranlassen.

Beispiel B) Sie haben Myome, Beschwerden und noch weiteren Kinderwunsch

So leid es mir tut – Ihnen wird eine Operation nicht erspart bleiben – das dürfte für sie das Gescheiteste sein. Da sie noch Kinderwunsch haben muss die Gebärmutter erhalten bleiben resp. werden- hierbei stehen uns folgende Möglichkeiten zur Verfügung:

•  Ausschälung des Myoms oder der Myome mittels Bauchschnitt oder Bauchspiegelung (Laparoskopie – siehe Video bzw. Bilderserie als WindowsMediaoder RealMedia) Welche Methode angewandt wird hängt von verschiedenen Faktoren ab wie z.B. Größe, Anzahl der Myome sowie deren Lage- so ist es bis dato noch unklar ob nach laparoskopischer Ausschälung und Vernähung der gebärmutterwunde die sich bildende narbe bei einer darauf folgenden Schwangerschaft genauso gut hält wie nach einem Bauchschnitt – die Gründe hierfür genauer anzuführen würde den Rahmen der hier vorgesehenen Information sprengen. Eine weitere Variable der stellt natürlich die Erfahrung des Operateurs mit der laparoskopischen Operationsmethode dar und ganz generell seine Erfahrung mit dem eingriff selbst dar, was jedoch ganz generell auf jede art der Operation zutrifft.

•  Ausschälung eines vorwiegend in der Gebärmutterhöhle entwickelten (submucösen) Myoms mittels Gebärmutterspiegelung(Hysteroskopie) In den meisten Fällen wird hier mit einem starren optischen Instrument in die Gebärmutter eingegangen und mittels Elektroschlinge das Myom stück für stück reseziert bzw. ausgeschält – selten gelingt es nicht das Myom während eines Operationsganges zu entfernen – insbesonders bei größeren Myomen- sodass in diesen fällen nach einem Intervall der eingriff wiederholt werden muss. Manchmal ist es auch bei allen Myomausschälungen von Vorteil diese vorher mittel eines Medikamentes(sog. GNRH-analoga), wodurch die Patientin in den künstlichen Wechsel(Klimakterium) versetzt wird um Myome zu verkleinern und sie anschließend einfacher und blutsparender operieren zu können.

•  „Embolisation“ von Myomen –dieser Eingriff wird weltweit von so genannten interventionellen Radiologen(das sind Röntgenfachärzte, welche sich darauf spezialisiert haben unter Kontrolle bildgebender verfahren Nadeln, Katheder und andere Dinge in unserem Körper zu platzieren und damit Erkrankungen abzuklären und bei vielen Erkrankungen auch helfen zu können)-also- bei diesem Verfahren wird ein Katheder in die große Schlagader ihres Oberschenkels eingebracht und anschließend dieser Katheder unter Röntgensicht bis zur uterusernährenden Schlagader (Uterinarterie) vorgeschoben und diese dann mittels kleinster Partikelchen „verstopft“ um durch die Mangelernährung der Gebärmutter auch die Myome zum schrumpfen zu bringen, besser noch lediglich selektiv die ernährenden äste der Myome zu „verstopfen“ – in weiterer folge kommt es dann auch zur Besserung der Beschwerden. Kein Vorteil ohne Nachteil und so hat dieses verfahren auch seine nachteiligen Aspekte, die ich hier gleich besprechen will, weil wir ansonsten nicht mehr auf dieses verfahren zurückkommen werden.

Schmerzen, die recht beträchtlich sein können und vielerorts wird auch zusätzlich eine „Rückenmarks“(Epidural)-anästhesie angewandt.

•  Übelkeit, Erbrechen

•  krampfartige Unterbauchschmerzen

•  hin und wieder müssen notfallsbedingte Gebärmutterentfenungen durchgeführt werden, des weitern können unter der Gebärmutterschleimhaut gelegene Myome durch die Scheide geboren werden und erfordern einen operativen Eingriff(jedoch nicht immer zwangsläufig auch Entfernung der Gebärmutter)

•  prinzipiell sind darauf folgende Schwangerschaften möglich, trotzdem wird dieser Eingriff bei potentiell weiterem Kinderwunsch nicht empfohlen

•  sehr selten jedoch prinzipiell möglich sind auch Schädigungen der Eierstöcke im Sinne einer Funktionsreduktion, sodass es zu frühzeitigen Wechselerscheinungen kommen kann

•  Sie haben keine 1000% Sicherheit, sondern nur 998 – 999 prozentige Sicherheit ob ihr Myom gut – oder bösartig ist, die sollte aber kein Grund sein den Eingriff nicht vornehmen zu lassen

falls es sie interessiert – es wird kolportiert dass sich Conduleezza Rice, die US-amerikanische Außenministerin einem derartigen Eingriff unterzogen hätte.

Eine Möglichkeit wäre noch zu erwähnen – die magnetresonanz gesteuerte Ultraschallzerstörung des Myoms, eine noch bis dato wenig erprobte, jedoch wahrscheinlich viel versprechende Methode mit ähnlichen Indikationen die auch für die Embolisation gelten – derzeit ist das Verfahren sehr zeitaufwendig(ca. drei Stunden in absoluter Ruhelage für ein(!) Myom- sollten sie sich nur kurz bewegen hat das Gerät Schwierigkeiten sich „nachzujustieren“ und verlängert ihren Aufenthalt in der „Röhre“. Zudem ist es in Graz zur Zeit u.a. auch aus Kostengründen(extrem teuer) nicht verfügbar. Was bis dato noch fehlt sind Langzeitergebnisse sowie Vergleichsstudien mit anderen organerhaltenden Verfahren wie oben erwähnt. Außerdem gilt es noch die „optimalen Kandidatinnen für dieses Verfahren auszumachen.

Beispiel C) Sie haben Myom(e),keine Beschwerden und Kinderwunsch

Nun ja, es gibt einfachere Fragen zu beantworten als diese- sagen wir es mal so: das Risiko eine Fehlgeburt zu erleiden dürfte bei Myomen die sich in die Gebärmutter höhle „vorbuckeln“ erhöht sein, jedoch ist die Rolle, die Myome bei Unfruchtbarkeit spielen, unklar. Sollten alle anderen Ursachen einer allfälligen Unfruchtbarkeit ausgeschlossen und lediglich ihre Myome bleiben als mögliche Ursache übrig, so wäre eine Entfernung (Ausschälung) dieser überlegenswert. Ob diese Entfernung nun über eine Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie), Bauchspiegelung (Laparoskopie) oder über einen Bauchschnitt erfolgen sollte hängt von diversen Faktoren ab und gilt es individuell abzuhandeln.

Beispiel D) Sie haben Myom(e), Beschwerden und keinen weiteren Kinderwunsch

Diese Konstellation ist eigentlich der häufigste Grund für die Gebärmutterentfernung, eine so genannte Hysterektomie, oder der vorhin schon beschriebenen Myomembolisation, die besser unter diesem Punkt angeführt werden sollte da sie im Zusammenhang mit weiterem Kinderwunsch eigentlich zumindest als problematisch zu betrachten ist.

Bevor wir auf den Eingriff selbst zu sprechen kommen muss erwähnt werden dass natürlich als Alternative die unter B) erwähnten Therapieverfahren in Frage kommen, jedoch keine sichere definitive Therapie ihre Problems sind und das ist meiner Meinung nach auch der entscheidende Punkt: Sie unterziehen sich einer potentiell komplikationsgefährdeten Behandlung ohne dass Ihnen garantiert werden kann von ihren beschwerden auch längerfristig befreit zu werden , nehmen einen eventuell weiteren Eingriff in Kauf und potenzieren somit mögliche Komplikationen.

Besprechung der meisterwähnten Ängste im Rahmen der Gebärmutterentfernung

  • Was passiert mit dem „Hohlraum“, der nach dem Eingriff zurückbleibt ?
    • Keine Sorge, da bleibt kein Hohlraum. Andere Organe wie Darmschlingen rücken nach und es gibt im Bauchraum auch keine Platzhalter, die nach ihrer Entfernung eine Lücke hinterlassen.
    • Hat die Gebärmutterentfernung Auswirkungen auf die Sexualität?
      • zumindest haben medizinisch ernst zu nehmende Studien und Nachbeobachtungen gezeigt dass derartige Ängste – ich will nicht sagen, nicht berechtigt sind, weil emotionale Zustände wie Angst brauchen keine Berechtigung – unbegründet sind. Kurz gesagt: war Sexualität vor der Gebärmutterentfernung erfüllend so ist sie es auch danach. Manche Frauenärzte versuchen bis heute ihren Patientinnen einzureden dass die Belassung des Muttermundes positive Auswirkungen auf die Sexualität danach hätte – hat sie auch nicht – es ist diesbezüglich irrelevant ob man den Muttermund belässt oder nicht. Viele Frauen sind froh nach dem Eingriff zeitlich unabhängig Sexualität erleben zu können.

 

  • Kommt es nach der Gebärmutterentfernung zu Senkungserscheinungen und damit verbundenen Beschwerden oder zu unwillkürlichem Harnverlust?
      • Auch hierfür gibt es momentan keinen Anhalt dass derartige Sorgen auch einen Grund haben. Senkungszustände haben ihre ganz speziellen Ursachen, die auch am besten dort besprochen werden (s. Senkungszustände),sie kommen natürlich auch bei noch intakter Gebärmutter vor sowie auch der unwillkürliche Harnverlust-oft sogar bessern sich Drangzustände beim Urinieren nach der Gebärmutterentfernung, wenn zB. grosse Myome Druck auf die Harnblase ausübten

Ich will hiermit keinesfalls einen einschneidenden und ebenfalls komplikationsgefährdeten Eingriff verharmlosen – doch aber darauf hinweisen, dass bei richtig und notwendigerweise gestellter Indikation die Gebärmutterentfernung auch zum Nutzen und zur Lebensqualität der Frau bzw. Patientin beitragen kann.